"Arisierung" in Berlin
von Frank Tetzel
Im Berliner Metropolverlag ist ein Buch über die Arisierung und das Herausdrängen jüdischer Mitbürger erschienen. Obwohl Berlin in der NS-Zeit das deutsche Wirtschafts- und Finanzzentrum war und die ehemalige Reichshauptstadt vor 1933 die größte jüdische Gemeinde beherbergte, fehlte es bisher an einer Gesamtdarstellung zur „Arisierung“.
Diese Lücke schliesst dieses Buch, das auf der Grundlage jüngster Forschungen Fallstudien über die Verdrängung jüdischer Manager und Unternehmer aus Schlüsselpositionen der Wirtschaft und zur „Arisierung“ von Unternehmen in den Jahren zwischen 1933 und 1938 publiziert.
Darüber hinaus wird die Frage der Restitution von jüdischem Eigentum nach 1945 in Berlin behandelt.
Lesenswerte Beiträge von Celina Kress über "Die frühe Arisierung in der Bauindustrie: Adolf Sommerfeld und seine Firmengruppe", von Ingo Köhler über die "Verdrängung der jüdischen Privatbankiers", von Kilian J. L.Steiner über die "Arisierung der Radioaktiengesellschaft D.S.Loewe in Berlin-Steglitz" oder ein Aufsatz über "Garbáty, eine Zigarettenfabrik in Pankow" und die vielschichtigen Beziehungen zum Hamburger Cigarettenhaus Reemtsma, von Erik Lindner machen das Buch nicht nur für einen kleinen Historikerkreis interessant.
Es zeigt auf, wie systematisch die Nationalsozialisten zusammen mit ihren willfährigen Helfern an die Verdrängung jüdischer Kollegen, Vorstände, Unternehmer gegangen sind und welche Interessen dahinter standen.
Erschreckend ist vor allem der vorauseilende Gehorsam verschiedener Berliner Organisationen ihre jüdischen Mitglieder zu entfernen.
Dises Buch ist so lesenswert, dass es nicht nur eiem kleinen Historikerkreis vorbehalten bleiben sollte. Zumindest in den Gymnasien müssten einige Beiträge zur Pflichtlektüre im Geschichtsunterricht werden.
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